Gegenwind
Vierzehn Jahre lang hat das funktioniert.
Lena Hartmann hat sich in Hamburg ein neues Leben aufgebaut. Eines ohne Windholm, ohne Salzluft, ohne die Erinnerung an den Jungen, dem sie einst das Herz brach. Vierzehn Jahre lang hat das funktioniert.
Dann stirbt ihre Großmutter.
Die Rückkehr sollte kurz sein. Die Bäckerei verkaufen, die Wohnung räumen, verschwinden. Doch Windholm hat andere Pläne – und Jonas Brenner steht immer noch am Hafen, als hätte er nie aufgehört zu warten. Breite Schultern, raue Hände, ein Blick, der zwischen Zärtlichkeit und Vorwurf schwankt.
Zwischen ihnen liegen vierzehn Jahre Schweigen, ungesagte Worte und eine Nacht, in der Lena ging, ohne sich umzudrehen. Sie weiß, dass er sie hasst. Sie weiß nicht, dass er ihr damals Briefe schrieb – Briefe, die sie nie erreichten.
Als ein Novembersturm über Windholm hereinbricht, stranden beide im alten Leuchtturm. Und in dieser Nacht zerbricht endlich das Schweigen.
Doch manche Wahrheiten heilen nicht – sie reißen erst alles auf.